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Luther und Glueck

„Der Himmel ist umsonst gegeben und geschenkt.“


Es gibt zwei Arten von „Himmel“: Der „Himmel“, in dem wir die Wolken ziehen und die Flugzeuge fliegen sehen, im Englischen „sky“. Der andere „Himmel“ ist der Ort unserer Träume, der Ort der Liebe, des Glücks, der tiefen Gefühle, im Englischen „Heaven“. Beide Orte sind uns geschenkt, sagt Luther. Von Glück ist in diesem Lutherzitat allerdings nicht die Rede – zugegeben! Doch der Autor dieser Zeilen ist der Überzeugung, dass das, was Luther und auch das Neue Testament mit „Himmel“ meinen, heute durch den Begriff des Glücks in großen Teilen ausgedrückt wird. „Glück haben“ oder „glücklich sein“ stehen als Synonyme dafür, der tristen, sorgenvollen, stressigen, ärgerlichen, harten, frustrierenden Seite des Alltags für einen Augenblick oder länger enthoben zu sein, rausgeholt und wie in den Himmel gehoben zu sein, das Gefühl zu haben, eben diese „miese“ Welt vor unbändiger Freude umarmen zu wollen, weil sie einem in diesem Moment doch so himmlisch anmutet. Das vollkommene Glück ist das Einssein mit sich, mit seinen Mitmenschen und mit Gott. Wenn wir die Botschaft Jesu vom Himmelreich bzw. vom Reich Gottes (z.B. Matthäus-Evangelium Kapitel 18, Verse 21 – 35, Kapitel 20, Verse 1 – 16 / Lukas-Evangelium Kapitel 13, Verse 18 und 19) richtig deuten, so will Gott uns den Himmel auf Erden schenken. Doch wie mit allen Geschenken stellt sich hier grundsätzliche die Frage: Können wir damit was anfangen? Können wir Vergebung, Gerechtigkeit, Frieden, Versöhnung, Einfühlsamkeit, Barmherzigkeit dauerhaft in unserem Alltag leben? Da tun wir uns sehr schwer! Dieses Geschenk des Glücks zerstören wir uns immer wieder auf vielfältige Weise. Dabei könnte die Welt so wunderbar sein, so unendlich gefüllt von Glück. Unvermeidliche Lebenskatastrophen wie der Tod oder die schwere Erkrankung eines lieben Menschen oder der Verlust von Hab und Gut durch eine Naturkatastrophe verlören so ihren lebenszerstörenden Schrecken, denn jeder und jede weiß sich geborgen in einer solidarischen Gemeinschaft. Aller Hunger in der Welt, aller Rassismus, aller Hass und aller Terror würden allmählich aus der Welt verschwinden, wenn wir dieses Himmels-Geschenk ganz und gar in unser Leben aufnehmen würden. Unsere Gottesdienste sind daher im Grunde die wöchentliche Erinnerung und die wöchentliche Feier dieses göttlichen Geschenkes. Sie sind die stete Ermutigung, das Geschenk wahrzunehmen und es in das eigene Leben aufzunehmen. „Der Himmel ist umsonst gegeben und geschenkt“, ist die frohe Botschaft, die die Reformatoren vor 500 Jahren wiederentdeckten im Wort Gottes, in der Bibel.