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Luther und Frieden

„Es gibt keinen Weg zum Frieden, wenn nicht schon der Weg Frieden ist.“


Ob dieses Zitat Luther oder einem der anderen Reformatoren zugeschrieben werden kann, ist unsicher. Sicher ist, dass es durchaus dem jungen Luther zuzutrauen ist, einen solchen Gedanken formuliert zu haben. Wie zwiespältig und in seinen späteren Jahren unter dem Eindruck der Belagerung Wiens durch die muslimischen Türken auch fast kriegstreiberisch Martin Luther dachte und sich äußerte, kann man eindrucksvoll nachlesen in einem Vortrag von Prof. D. Dr. Wolf Krötke nachlesen (http://wolf-kroetke.de/vortraege/ansicht/eintrag/57.html aufgerufen am 04.04.2017).

Der Weg zum Frieden ist steinig, von vielen Frustrationen gesäumt, immer gefährdet, weil Interessenskonflikte sowohl verbal wie auch material schnell eskalieren können. Doch die Erfahrungen der Menschheit haben bis heute gezeigt: ein mit Waffengewalt erzwungener und gehaltener Friede ist kein Friede, im Gegenteil: es ist eher nur ein Waffenstillstand, bei dem der gewaltsame Widerstand im Verborgenen wächst, bis er sich eines Tages offen Bahn bricht. Die Entstehungsgeschichte des IS ist dafür ein Beispiel für viele.
Auch das Deutschland nach dem Krieg wäre ein anderes Deutschland, wären die 1944 verfassten Pläne des amerikanischen Generals Morgenthau umgesetzt und Deutschland über Jahrzehnte die Eigenständigkeit verweigert worden. Dann hätten wir wahrscheinlich keinen Frieden in Europa bekommen. Nur indem man dem deutschen Volk diese seine Eigenständigkeit zugestand und es sogar vielfach unterstützte und wieder in die Völkergemeinschaft aufnahm, konnte sich Frieden ausbreiten. Das vereinte Europa ist das Ergebnis – eine wunderbare Errungenschaft, auf friedlichem Weg erreicht!

Gerade in diesen aktuell immer stärker vom Populismus beherrschten politischen Klima in unserem Land, in Europa und in den USA ist es von großer Bedeutung, darauf aufmerksam zu machen, dass jeglicher Nationalismus unweigerlich in Kriegstreiberei münden wird. Wer rücksichtslos nur die eigenen Interessen verfolgt, wird früher oder später mit den Interessen der anderen heftig kollidieren. Frieden erlangen wir nur auf dem Weg friedlichen Miteinanders und friedlicher Verhandlungen, durch gegenseitigem Respekt und gegenseitiger Anerkennung. Das schließt allerdings das intensive Bemühen um Gerechtigkeit ein. Ein Frieden ohne Gerechtigkeit innerhalb einer Gesellschaft – oder bezogen auf Europa, innerhalb der EU – ist nicht von Dauer.

„Es gibt keinen Weg zum Frieden, wenn nicht schon der Weg Frieden ist.“

Das zeigt uns Christinnen und Christen Jesus von Nazareth. Sein Weg war ein Weg des Friedens bis zum bitteren Ende am Kreuz. Um die friedlose, gewalttätige Welt zu verändern, hat er nicht zu den Waffen gerufen, nicht zum bewaffneten Widerstand angestachelt. Als Feind der Macht, die nur auf Waffengewalt setzte, wurde er getötet. Seine Auferstehung ist deshalb auch die göttliche Bestätigung des friedlichen Weges Jesu: Nur auf friedliche Weise ist dauerhaft Frieden zu erreichen!

Dies ist auch die Grundüberzeugung der evangelischen Kirchen in Deutschland. Deren Friedensdenkschrift kann als pdf-Datei heruntergeladen werden von der Seite: (https://www.ekd.de/presse/pm219_2007_friedensdenkschrift.html aufgerufen am 04.04.2017)